Südtirol, "Alto Adige"


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Südtirol: Schloß Tirol bei Meran.



Südtirol, italienisch "Alto Adige", 1948-72 amtliche deutsche Bezeichnung "Tiroler Etschland", ehemals zu Österreich, seit 1919 zu Italien gehörender Teil von Tirol südlich des Brenner; 7400 km2, 422.900 Einwohner (1991). In den größeren Städten (Bozen, Meran, Brixen) italienische Bevölkerungsmehrheit, die ländliche Bevölkerung großteils mit deutscher Muttersprache (1991: 68 % deutschsprachig, 27,6 % italienischsprachig, 4,4 % ladinisch). In der Wirtschaft dominiert der Fremdenverkehr (24,8 Millionen Übernachtungen, 3,9 Millionen Gäste, davon die Hälfte aus Deutschland).

Südtirol ist Sitz einer alten und reichen Kultur. In St. Prokulus (Naturns) besitzt Südtirol die ältesten kirchlichen Fresken im deutschsprachigen Raum. Die 1972/73 freigelegten Wandgemälde im Schloss Rodeneck gelten als die ältesten Fresken profanen Inhalts in Europa. Aribo aus Obermais bei Meran verfasste um 770 die ältestedeutsche Sprachkunde. Im Schloss Obermontani im Vinschgau wurde eine Niederschrift des Nibelungenlieds gefunden, und Hans Ried von Bozen zeichnete die einzige überlieferte Handschrift des Gudrunlieds auf. Walther von der Vogelweide stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus Lajen im Eisacktal, von wo auch Oswald von Wolkenstein herkam. Ebenso sind M. Pacher, P. Troger und J. P. Fallmerayer Südtiroler. Zu den bedeutendsten modernen Künstlern zählen P. Flora und K. Plattner. Der gotische Kreuzgang von Brixen gilt als das bedeutendste Denkmal der alpenländischen Wandmalerei. Südtirol zählt über 130 Burgen und Schlösser. Daneben blühte bald eine reiche Stadtkultur auf (Meran, Sterzing, Klausen).

1920 wurde die heimatkundliche Zeitschrift "Der Schlern" gegründet. Das 1954 geschaffene Südtiroler Kulturinstitut in Bozen veranstaltet jährlich Ausstellungen, Autorenlesungen, landeskundliche und pädagogische Tagungen sowie Gastspiele ausländischer Bühnen und Orchester.

Die Ladiner sind in den 4 Dolomitentälern Gadertal, Gröden, Fassatal, und Ampezzo-Buchenstein angesiedelt und auf die 3 Provinzen Bozen, Trient und Belluno aufgeteilt.

Seit 1945 gibt es neben den italienischen Schulen in Südtirol wieder ein deutschsprachiges und auch ein italienisch-deutsch-ladinisches Schulwesen.

Geschichte: Bis 1919 war Südtirol ein wesentlicher Bestandteil von Tirol. Entgegen den 14 Punkten Wilsons und entgegen dem Wunsch der Bevölkerung wurde durch den Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 nicht nur dasitalienischsprachige Trentino, sondern auch das deutschsprachige Südtirol von Salurn bis zum Brenner Italien zugesprochen. Sehr bald wurde (vor allem auf Initiative des Trentiners E. Tolomei) mit der Italianisierung des Landes begonnen (zuerst der Ortsnamen, der Schulen usw.), die nach der Machtergreifung Mussolinis (1922)besonders vorangetrieben wurde: Abschaffung der einheimischen Gemeindeverwaltungen, Einsetzung von italienischen Amtsbürgermeistern, Verbot deutschsprachiger Schulen und des deutschsprachigen Privatunterrichts, Verbot der deutschen Sprache in den Ämtern und im öffentlichen Leben, Italianisierung der Familiennamen, Verdrängung der einheimischen Volksgruppe aus den öffentlichen Stellen. Durch italienische Zuwanderung sollte die Italianisierung gefördert werden, die Zahl der Italiener stieg vor allem in den Städten stark an. 1939 schloss Hitler mit Mussolini ein Abkommen über die Umsiedlung der Südtiroler. In der durch italienische Zwangsmaßnahmen und deutsche Propaganda geförderten Option entschieden sich 213.000 Südtiroler (86 % der deutschsprachigen und ladinischen Bevölkerung) für die deutsche Staatsbürgerschaft. Bis 1943 wanderten 70.000 Südtiroler, vornehmlich unselbständig Erwerbstätige aus den Städten und Talorten, ab. Im September 1943 erfolgte diedeutsche Besetzung Südtirols und der benachbarten italienischen Provinzen.

Nach Kriegsende im Mai 1945 wurde in Bozen die Südtiroler Volkspartei gegründet, die das Selbstbestimmungsrecht für Südtirol verlangte. In einer Unterschriftenaktion forderten die Südtiroler einmütig die Rückkehr zu Österreich (156.628 Unterschriften, faktisch die gesamte erwachsene bodenständige Bevölkerung). Diese Forderung wurde von Österreich auf der Pariser Friedenskonferenz vertreten, aber 1946 von den Alliierten abgelehnt. Hierauf erfolgte der Abschluss des Pariser Abkommens zwischen Österreich und Italien, das als Annex in den italienischen Friedensvertrag von 1947 aufgenommen wurde. Das Abkommen wurde besonders hinsichtlich der Autonomie nur mangelhaft erfüllt, Südtirol durch das Autonomiestatut von 1948 mit dem italienischsprachigen Trentino zu einer gemeinsamen Region zusammengeschlossen, in der die Italiener eine 5 : 2-Mehrheit besitzen; gleichzeitig kamen die zum geschlossenen deutschen Sprachgebiet gehörenden Teile der Provinz Trient an die Provinz Bozen, ebenso das "Unterland" südlich von Bozen sowie die 4 deutschen Gemeinden im oberen Nonsberg und die 2 deutschen Gemeinden des Fleimstals. Innerhalb der Region genießen die Provinzen Bozen und Trient ihrerseits eine Autonomie mit Landesregierung, Landtag und Gesetzgebungsrechten. Die Optantenfrage wurde imWesentlichen befriedigend gelöst; bezüglich des deutschsprachigen Schulwesens, das bereits 1945 von den Alliierten wiedereingeführt worden war, wurde der Pariser Vertrag zufriedenstellend erfüllt. Doch in Sprache,öffentlicher Verwaltung, Vergabe von Volkswohnungen, Stellenbesetzung, vor allem aber in der Autonomiefrage gab es Anlass zu Beschwerden, die jedoch in Rom lange Zeit trotz der zahlreichen diplomatischen Interventionen Österreichs kein Gehör fanden. Die Verhandlungen über die Durchführung des Pariser Vertrags führten lange zu keinem Abschluss, von radikalenSüdtirolaktivisten wurden Bombenanschläge verübt. Erst am 22. 11. 1969 hat die Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei die Verhandlungsergebnisse ("Südtirol-Paket") mit knapper Mehrheit angenommen. Die Vertreter Südtirols bemühten sich von da an, die Zugeständnisse Roms in die Praxis umzusetzen. Mit der Zustimmung der Landesversammlung der SVP zur Durchführung desSüdtirol-Pakets am 30. 5. 1992 und mit der Abgabe der Streitbeilegungserklärung Österreichs vor der UNO am 11. 6. 1992 fanden die Südtirolverhandlungen ihren formellen Abschluss.

Die erweiterten Autonomiebefugnisse verschafften den Südtirolern die Möglichkeit, sich auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet zu entfalten. Dabei konnten sie den Aufbau wichtiger Einrichtungen in Angriff nehmen, so die Errichtung von Museen, vonBibliotheken, von Musikkursen, einer Rundfunkanstalt für den Empfang von Sendungen aus dem deutschsprachigen Ausland und anderes mehr. Die Ausbildung von Akademikern und Fachkräften konnte durch eine effizientere Schulfürsorge gefördert werden. Dieser Wandel fand auch in der Bevölkerungsbewegung seinen Niederschlag.

Die Deutschsprachigen und die Ladiner in Südtirol sind im italienischen Parlament (Wahlen 1994) durch 3 Abgeordnete und 3 Senatoren (SVP), die Italienischsprachigen durch einen Senator (Neofaschisten = MSI/DN) vertreten; 3 Politiker aus der Provinz Bozen (SVP, Verdi/Grüne, MSI/DN) sind im Europaparlament. ImSüdtiroler Landtag (Wahlen 1993) verfügen die SVP über 19 Abgeordnete und die Neofaschisten über 4, je 2 Abgeordnete besitzen die Verdi/Grünen, die Freiheitlichen, die Union fürSüdtirol , der Partito Popolare, je 1 Mandat die Lega Nord, der Partito Democratico della Sinistra, die Ladins und die Unione Centro. Die Neofaschisten sind mit Abstand die stärksteitalienische Partei in Südtirol. Die Südtiroler Landesregierung besteht aus dem Landeshauptmann und 10 Landesräten. Den Landeshauptmann stellt die SVP (1948-55 K. Erckert, 1956-60 A. Pupp, 1960-89 S. Magnago, seit 1989 L. Durnwalder).

Kirchlich bildeten bis 1964 der nördliche Teil Südtirols bis Klausen sowie der Obervinschgau und das Gebiet um Ampezzo-Buchenstein das Bistum Brixen, zu dem bis 1925 auch der größte Teil vonNordtirol und Vorarlberg gehörten, während das untere Eisacktal und das Etschtal mit den Städten Bozen und Meran in den Bereich des Bistums Trient fielen. 1964 wurden diedeutschsprachigen Dekanate des Bistums Trient mit dem Bistum Brixen zu einem "Bistum Bozen-Brixen" vereinigt. Die Diözesangrenzen entsprechen nun den Provinzgrenzen.


Bevölkerung Südtirols
Deutsch-
sprachige
Italienisch-
sprachige
Ladiner andere
1910 223.913 7.339 9.429 10.770
1921 193.271 27.048 9.910 24.506
1961 232.717 128.271 12.594 281
1971 260.351 137.759 15.456 475
1981 279.544 123.695 17.736 9.593
1991 287.503 116.914 18.434 17.657

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Südtirol-Paket


Südtirol-Paket: Die Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Italien entzündeten sich am Schutz der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung in Südtirol. 1969 kam es zur Unterzeichnung des so genannten Südtirol-Pakets, das 1972 in Kraft trat und Italien verpflichtete, die gesetzlichen Voraussetzungen für die Autonomie Südtirols zu schaffen. Nachdem Italien die Bestimmungen des Autonomiepakets erfüllt hatte, gab Österreich am 11. 6. 1992 eine Streitbeilegungserklärung ab (Südtirol).

Pariser Abkommen


Pariser Abkommen (Gruber-De Gasperi-Abkommen), am 5. 9. 1946 zwischen den Außenministern von Österreich und Italien, K. Gruber und A. De Gasperi, unterzeichnete zwischenstaatliche Abmachung zum Schutz der deutschsprachigen Minderheit in Italien; Anhang zum Friedensvertrag mit Italien von 1947 und Rechtsgrundlage für die Wahrnehmung der Interessen desdeutschsprachigen Südtirols durch die österreichische Außenpolitik. Das Pariser Abkommen sicherte den deutschsprachigen Einwohnern volle Gleichberechtigung mit den italienischsprachigen zu, gewährte der Region eine autonome regionale Gesetzgebungs- und Vollzugsgewalt und anerkannte Österreich als Schutzmacht. 1948 wurde die zugesagte Autonomie nicht Südtirol, sondern der neu gebildeten Region "Trentino-Südtirol" verliehen, einem Gebiet mit italienischer Mehrheit. Die Folgen waren Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Italien um die deutsch- und ladinischsprachigen Minderheiten. Österreich klagte 1959 Italien vor der UNO. Die wesentlichen Konfliktpunkte wurden mit dem Südtirol-Paket gelöst.

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Südtirol

Südtirol, amtlich Autonome Provinz Bozen – Südtirol, italienisch Provincia Autonoma di Bolzano – Alto Adige, ladinisch Provinzia Autonòma de Balsan/Bulsan – Südtirol ist die nördlichste Provinz Italiens und bildet zusammen mit der Provinz Trient die autonome Region Trentino-Südtirol. Seit Verabschiedung des Südtirol-Pakets im Jahre 1972 genießt das Land Autonomierechte. Landeshauptstadt Südtirols ist Bozen.

Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind deutschsprachig, über ein Viertel hat italienisch als Muttersprache und ein kleinerer Bevölkerungsanteil im Dolomitengebiet spricht Ladinisch. Die Ladiner stellen knapp vier Prozent der Bevölkerung Südtirols.

Südtirol ist zudem Teilglied der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des Kronlandes Tirol der früheren Österreichisch-Ungarischen Monarchie entspricht.

Der Name

Der Name „Südtirol“ entstand im 19. Jahrhundert als Bezeichnung für den südlich des Brenners gelegenen Teil Tirols.[1] Zugleich wurde für den Landesteil mit italienischsprachiger Bevölkerung (Bezirke Trient und Rovereto) auch der Begriff Welschtirol verwendet. Die amtliche Bezeichnung lautet nach dem Südtirol-Paket Autonome Provinz Bozen – Südtirol. Bis 1972 trug das Land die Bezeichnung Tiroler Etschland.

Der italienische Ortsname Alto Adige („Hochetsch“, „Oberetschland“) stammt von Ettore Tolomei und wurde dem französischen Haut-Adige nachempfunden: Zwischen 1810 und 1814 bildeten Teile Südtirols ein Département im napoleonischen Königreich Italien. Die amtliche italienische Bezeichnung lautet Provincia Autonoma di Bolzano - Alto Adige[2]. In den italienischen Medien wird gelegentlich auch der Ausdruck Sudtirolo (und die Bezeichnung der Bevölkerung als „Sudtirolesi“ statt „Altoatesini“) verwendet. Seltener sind die italienischen Ortsnamen „Tirolo del Sud“ oder „Tirolo meridionale“.

Die ladinische Bezeichnung lautet Südtirol, amtlich Provinzia Autonòma de Balsan – Südtirol oder Provinzia Autonòma de Bulsan – Südtirol. In Zusammenhang mit der Region wird statt Südtirol auch Adesc Aut[3] verwendet.

Bevölkerungsanteile

In Südtirol wird offiziell zumeist von deutschen, italienischen oder ladinischen Sprachgruppen gesprochen anstatt von Volks- oder Bevölkerungsgruppen, da diese Bezeichnungen als weniger trennend empfunden werden. Die Volkszählungen von 1991 und 2001 haben ergeben, dass die Bevölkerungsanteile der muttersprachlich deutschen und ladinischen Menschen angestiegen sind, der italienische Anteil hingegen leicht rückläufig ist.[4]

Wohnbevölkerung nach Sprachgruppen laut Volkszählungen von 1880 bis 2001

Sprache 1880 1890 1900 1910 1921 1961 1971 1981 1991 2001
Deutsch 90,6 % 89,0 % 88,8 % 89,0 % 75,9 % 62,2 % 62,9 % 64,9 % 65,3 % 64,0 %
Italienisch 3,4 % 4,5 % 4,0 % 2,9 % 10,6 % 34,3 % 33,3 % 28,7 % 26,5 % 24,5 %
Ladinisch 4,3 % 4,3 % 4,0 % 3,8 % 3,9 % 3,4 % 3,7 % 4,1 % 4,2 % 4,0 %
Andere 1,7 % 2,3 % 3,2 % 4,3 % 9,6 % 0,1 % 0,1 % 2,2 % 4,0 % 7,5 %

Sprachverteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- und -zuordungserklärungen

Sprache 1991 2001
Deutsch 67,99 % 69,15 %
Italienisch 27,65 % 26,47 %
Ladinisch 4,36 % 4,37 %

Die größte Sprachverschiebung fand in der Gemeinde Brenner statt. Hier nahm der Anteil der italienischsprachigen Bevölkerung um 8,94 Prozentpunkte ab, während sich der deutschsprachige Anteil um 8,90 Prozentpunkte erhöhte. Ursache hierfür könnte der Wegfall der Kontrollen an der italienisch-österreichischen Staatsgrenze sein, in dessen Folge die zumeist italienischsprachigen Grenzbeamten abgezogen wurden. In den drei größten Städten Südtirols Bozen, Meran und Brixen veränderten sich die Bevölkerungsanteile dagegen nur geringfügig.

Von den 116 Gemeinden Südtirols haben 103 eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung. In 81 Gemeinden liegt diese Mehrheit bei über 90%: von diesen haben 69 einen deutschsprachigen Bevölkerungsanteil von mehr als 95%; unter letzteren wiederum haben 25 Gemeinden eine über 98prozentig deutsche Bevölkerung: in Sankt Pankraz liegt ihr Anteil sogar bei 99,81%.

Acht Gemeinden, nämlich Wengen, Abtei, Corvara, Enneberg, St. Martin in Thurn, St. Christina in Gröden, Wolkenstein in Gröden und St. Ulrich in Gröden, haben eine ladinische Mehrheit. Bozen, Leifers, Salurn, Branzoll und Pfatten sind mehrheitlich italienischsprachig.

Die Bevölkerungsentwicklung seit 1910 verdeutlicht, dass die italienische Sprachgruppe, die 1910 noch unter 3% lag, infolge intensiver Italienisierungsbemühungen sukzessive bis auf ein Drittel der Gesamtbevölkerung anstieg und im Jahr 1961 den Höchststand von 35% erreichte, seitdem aber kontinuierlich abnahm und heute bei ungefähr 25% liegt.

Auch Immigranten prägen das Bevölkerungsbild des Landes, insbesondere im Zuge verstärkter Einwanderungen seit der Jahrtausendwende. Die 36.284 ausländischen Staatsbürger (2008) stellen 7,3% der ansässigen Südtiroler Bevölkerung.[5] Die größten Ausländergruppen sind: Albaner, Deutsche und Marokkaner. Wie im gesamten italienischen Staatsgebiet erklärt sich beinahe das gesamte Bevölkerungswachstum Südtirols der vergangenen 10 Jahre durch Zuwanderung. Die Kinder der Ausländer besuchen vorzugsweise italienischsprachige Schulen, wo ihr Anteil etwa 15,2% der Schüler ausmacht. Der Ausländeranteil an deutschsprachigen Schulen liegt hingegen bei sehr niedrigen 3,8%.[6]

Geschichte

Hauptartikel.svg Hauptartikel: Geschichte Südtirols

Das Gebiet an Etsch, Eisack und Rienz ist seit der mittleren Steinzeit (Mesolithikum) besiedelt. Die Menschen hielten sich damals im Sommer überwiegend im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze auf. Dies belegen zahlreiche archäologische Fundstellen mit Funden aus dem 7. bis zum 4. Jahrtausend v. Chr. In der darauf folgenden Jungsteinzeit begann der Mensch die fruchtbaren Mittelgebirgsterrassen entlang der Haupttäler zu besiedeln. Wichtige Funde aus dieser Zeit stammen vom Plunacker in Villanders, dem Hügel von Schloss Juval im Vinschgau oder vom Hauslabjoch (Ötzi). In der Bronzezeit begann eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, hauptsächlich wegen des Kupferbergbaus. In der späten Bronzezeit (1300–1000) und der älteren Eisenzeit war das heutige Südtirol von Menschen besiedelt, die Träger der inneralpinen Laugen-Melaun-Kultur waren. Die Räter sind in der jüngeren Eisenzeit Träger der Fritzens-Sanzeno-Kultur und damit die erste namentlich bekannte Urbevölkerung des mittleren Alpenraumes.

Von 59 v. Chr. bis zur Völkerwanderungszeit gehörte Südtirol zum römischen Imperium. Aus dieser Zeit stammen zwar keine Städte, da das Gebiet reine Etappe war, aber zahlreiche Meilensteine und römische Straßenstationen etwa Sebatum im Pustertal oder Sublavione im Eisacktal sind bekannt. Erst in jüngster Zeit wurde bei St. Pauls in Eppan eine römische Villa aus dem 4. Jahrhundert entdeckt und ausgegraben, wobei auch sehr gut erhaltene Fußboden-Mosaike zum Vorschein kamen.

Zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Bajuwaren besiedelt, die dort auf die Langobarden und die romanisierten Ureinwohner stießen. Wichtige Fundstellen und Denkmäler aus dieser Zeit sind der Hügel von Kloster Säben bei Klausen, Castelfeder bei Auer, St. Peter in Altenburg bei Kaltern und die Kirche St. Prokulus bei Naturns.

Als Teil des Frankenreiches und später des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation erlangte das Gebiet strategische Bedeutung, weil seine Straßen nach Italien führten. Große Teile des Landes wurden 1004 und 1027 den Bischöfen von Trient und Brixen geschenkt.

Nachdem deren Verwalter (Vögte), die Grafen von Tirol (vgl.: Meinhard II.), das Land unter ihre Herrschaft gebracht hatten, erhielt das Territorium zusammen mit den Talschaften nördlich des Brenners den Namen Tirol. Südtirol ist eine der Gegenden mit den meisten Burgen in Europa, darunter die besonders berühmten Anlagen Schloss Tirol, Schloss Runkelstein, Churburg, Burg Hocheppan und Burg Taufers.

1363 ging die Grafschaft durch Margarete von Tirol (später Maultasch genannt) an die Habsburger über, die das Land fast durchgängig bis 1918 regierten.

Die Reformation fand insbesondere in der Bewegung der Hutterer Resonanz, welche 1528 von dem aus dem Pustertal stammenden Jakob Hutter gegründet wurde. Wegen starker Verfolgung waren ihre Anhänger bald zur Auswanderung nach Mähren und später Nordamerika gezwungen.

1810 ging ein Teil des heutigen Südtirol zusammen mit dem gesamten Trentino erstmals an das kurzlebige Königreich Italien. 1813 wurde der italienische Teil Tirols von den Truppen des neuen Kaiserreiches Österreich besetzt[8]

Vom Tag des Waffenstillstands nach dem Ersten Weltkrieg, dem 3. November 1918, an, wurde Südtirol von italienischen Truppen besetzt und im Herbst 1919 im Vertrag von Saint-Germain dem Königreich Italien definitiv zugesprochen und von ihm annektiert. So hatten es die Mächte der Entente in London 1915 geheim vereinbart, um das neutrale Italien für den Eintritt in den Krieg auf ihrer Seite zu gewinnen. Die Machtergreifung der Faschisten in Italien 1922 führte zu Repressionen gegen die Tiroler beziehungsweise deren Kulturgut. Nach dem Abkommen zwischen Mussolini und Hitler 1939 wählte eine große Mehrheit der deutschsprachigen Südtiroler die „Option“ für das Deutsche Reich und Zehntausende verließen bis 1943 das Land als Umsiedler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Paris ein Autonomiestatus für Südtirol ausgehandelt (Gruber-De-Gasperi-Abkommen), aber später nur zum Teil umgesetzt. Die italienische Einwanderungspolitik führte zu einer starken Zuwanderung aus den ärmeren Regionen Ober- und Süditaliens, wogegen sich Widerstände in der einheimischen Bevölkerung aufbauten. Diese mündeten schließlich (ab 1957) in einen bewaffneten Widerstandskampf (Befreiungsausschuss Südtirol BAS), der von Italien als terroristische Bedrohung bekämpft wurde.

Mit der Bekanntgabe des Streitfalls durch Österreich an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wurde die Südtirol-Frage 1960 „internationalisiert“, d. h. zum Gegenstand der Aufmerksamkeit über Österreich und Italien hinaus gemacht. Die italienische Regierung wurde dadurch zu einer Lösung der Probleme motiviert. Sie schlug Österreich 1969 den so genannten „Operationskalender“ vor, der 1972 zum „Südtirol-Paket“ mit einem neuen Autonomiestatut für die Provinz Bozen führte. 1992 gab die italienische Regierung der österreichischen bekannt, das Paket sei nun komplett realisiert. Österreich richtete daraufhin nach Zustimmung der Südtiroler und Tiroler Politiker eine „Streitbeilegungserklärung“ an Italien und an die Vereinten Nationen.

Seitdem besitzt das Land eine weitgehende, von anderen Regionen Italiens manchmal mit Neid betrachtete Autonomie (auch in Budgetangelegenheiten) und konnte sich zu einer wohlhabenden Region in Europa und einer der wohlhabendsten Italiens entwickeln. Der europäische Integrationsprozess mit dem Schengener Abkommen, der Einführung der Gemeinschaftswährung Euro und der Bildung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ermöglicht es seit den neunziger Jahren, verstärkt an die lange historische Zusammengehörigkeit von (Nord-)Tirol, Südtirol und Trentino anzuknüpfen.

Autonomie

Hauptartikel: Südtirol-Paket

Südtirol bildet zusammen mit dem Trentino die Region Trentino-Südtirol, eine der insgesamt fünf italienischen Regionen, die mit weitgehenden Gesetzgebungsbefugnissen ausgestattet und dementsprechend auch von der italienischen Verfassung als autonome Regionen mit besonderem Statut anerkannt sind. Diese Autonomie wurde bereits auf Grund des Gruber-De-Gasperi-Abkommens eingeführt. Sie befriedigte aber die Südtiroler nicht, da in der Region die italienischen Trentiner die Mehrheit bildeten.

Seit 1972 verfügt nun die geographisch mit Südtirol identische Provinz Bozen - so wie auch die Provinz Trient - über eine eigene Autonomie, die ihr faktisch den Status einer Region verleiht. Dem Land ist es vorbehalten, auch gegenüber dem Staat, Gesetze in Sachen öffentliche Ämter, Raumordnung, Handwerk, Messen und Märkte, Jagd und Fischerei, Kommunikations- und Transportwesen, Fremdenverkehr und Gastgewerbe, Landwirtschaft, Kindergärten, Schulbau zu erlassen. Dabei handelt es sich lediglich um einen Auszug der Südtiroler Zuständigkeiten.

Um die Selbstverwaltung zu ermöglichen, wird Südtirol auch mit finanziellen Mitteln versorgt. Etwa 90 % der vom Staat eingetriebenen Steuern fließen in die Kassen des Landes zurück, von der Umsatzsteuer bis hin zur Einkommen- und Körperschaftsteuer. Dafür muss das Land Funktionen wahrnehmen, wie das Schul-, Gesundheits- und Verkehrswesen, die im übrigen Italien vom Staat ausgeübt werden, und diese auch finanzieren.

Politik

Politische Landschaft

Die politischen Geschicke Südtirols werden seit Ende des Zweiten Weltkrieges maßgeblich von der autonomistischen Südtiroler Volkspartei bestimmt. Die Sammlungspartei aller deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler verfügt seit 1945 über die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag und stellt durchgehend den Landeshauptmann. Seit den Kommunalwahlen vom 8. Mai 2005 stellt sie auch den Bürgermeister in 107 der 116 Gemeinden des Landes. In den Gemeinden, in denen die italienischsprachige Sprachgruppe stark vertreten ist, trat die Volkspartei im Bündnis mit der gemäßigten Democrazia Cristiana auf, seit den 1990er Jahren ist das italienische Mitte-Links Lager ihr Verbündeter.

Weitere Parteien, welche die deutschsprachigen Wähler ansprechen und für die Selbstbestimmung Südtirols eintreten, sind die Union für Südtirol, die Süd-Tiroler Freiheit und Die Freiheitlichen. Letztere bilden die landesweit zweitstärkste Partei.

Die stärkste Partei unter den italienischsprachigen Wählern ist heute das Popolo della Libertà, die Partei die aus der Fusion von Forza Italia und Alleanza Nazionale entstanden ist. Bei der letzten Landtagswahl 2008 konnte sie 8,3% der Stimmen erreichen und 3 Abgeordnete in den Südtiroler Landtag entsenden, womit sie insgesamt die drittstärkste Partei des Landes ist. Das Ergebnis lag aber weit unter den Erwartungen, zumal das PDL nicht einmal soviel Stimmen einsammeln konnte wie zuvor die Alleanza Nazionale. Neben einem betont nationalistischen Flügel, repräsentiert von Michaela Biancofiore und Pietro Mitolo, einem der Mitbegründer des Movimento Sociale Italiano in der Provinz, gibt es im Südtiroler Volk der Freiheit einen gemäßigten Flügel um Giorgio Holzmann, der zudem für das Amt des Bürgermeisters von Bozen kandidieren soll[9]. Erstere sind im Oktober 2009 von der römischen Parteispitze zur gleichberechtigten Doppelführung ernannt worden. Umstritten sind die Kranzniederlegungen, die jährlich von Parteimitgliedern am 4. November vor dem Bozner Siegesdenkmal und am Grab des Faschisten und Irredentisten Ettore Tolomei durchgeführt werden.[10]

Vor den Politskandalen der 1990er Jahre waren mal die Democrazia Cristiana, mal das neofaschistische Movimento Sociale Italiano meistgewählte Parteien der italienischen Sprachgruppe. Unmittelbarer Ableger letzterer Partei ist die ultranationalistische Unitalia, die mit Donato Seppi im Landtag vertreten ist. Dort ist auch die Lega Nord vertreten.

Der Partito Democratico ist der italienische Koalitionspartner der SVP und sichert somit die vom Autonomiestatut vorgesehene Beteiligung der italienischen Sprachgruppe an der Landesregierung.

Unter den Ladinern ist ebenfalls die SVP stärkste Kraft. Die Ladins-Moviment Politich Ladins sind im Landtag nicht vertreten.

Die Grünen sprechen Wähler aller drei Sprachgruppen an.

Landtag

Der Südtiroler Landtag (it. Consiglio provinciale) ist das Parlament der Autonomen Provinz. Das Autonomiestatut verleiht dem Landtag besondere Befugnisse und Kompetenzen. Die 35 Abgeordneten werden alle fünf Jahre gewählt. Die Landtagsabgeordneten sind zugleich Mitglieder des übergeordneten Regionalrates (Consiglio regionale) der Region Trentino-Südtirol.

Bei den Landtagswahlen vom 28.Oktober 2008 verlor die SVP 7,5 % gegenüber 2003 (55,6 %), konnte aber mit 48,1 % die absolute Mehrheit an Mandaten verteidigen. Die Freiheitlichen konnten 9,3 % dazugewinnen und sind mit 14,3 % der Stimmen die zweitstärkste Partei im Land.

Partei Stimmenstärke Mandate
Südtiroler Volkspartei (SVP) 48,1 % 18
Die Freiheitlichen 14,3 % 5
Popolo della Libertà (PDL) 8,3 % 3
Partito Democratico (PD) 6,0 % 2
Grüne-Verdi-Vërc/BürgerListeCiviche 5,8 % 2
Süd-Tiroler Freiheit 4,9 % 2
Union für Südtirol (UfS) 2,3 % 1
Lega Nord 2,1 % 1
Unitalia 1,9 % 1

Landesregierung

Die Landesregierung (it. Giunta provinciale) mit einem Landeshauptmann (Presidente) an der Spitze besteht aus seinen Stellvertretern, die jeweils der deutschen und der italienischen Sprachgruppe zugehörig sind und aus den Landesräten. Die Anzahl ihrer Mitglieder wurde im März 1989 von 14 (einschließlich Landeshauptmann) auf elf reduziert. Nach der Landtagswahl 2008 besteht die Landesregierung aus nur mehr 9 Mitgliedern. Der Landeshauptmann und die Landesräte werden vom Landtag in geheimer Wahl (aus den eigenen Reihen) gewählt. Die sprachgruppenmäßige Zusammensetzung muss jener im Landtag entsprechen. Neben dem Landeshauptmann gehören fünf Landesräte der deutschen, zwei der italienischen und einer der ladinischen Sprachgruppe an. Durch das Verfassungsgesetz Nr. 2/2001, das seit Februar 2001 in Kraft ist, hat Südtirol die freie Wahl der Regierungsform (z. B. Direktwahl des Landeshauptmannes)

Derzeitiger Landeshauptmann ist seit 1989 Luis Durnwalder von der Südtiroler Volkspartei (SVP). Seine Stellvertreter sind seit 2008 Hans Berger (SVP) und Christian Tommasini (Demokratische Partei).[11]

Landeshauptleute Südtirols

Wirtschaft

Südtirols Wirtschaft ist vor allem durch den Dienstleistungsbereich geprägt, und hier vor allem durch den Tourismus. Daneben spielen aber auch ein gut entwickeltes Handwerk, insbesondere im Bausektor, kleinere und mittelgroße Industrieunternehmen sowie Landwirtschaft eine wichtige Rolle in der Wirtschaftsstruktur des Landes.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft beschäftigt 7,8 % der Südtiroler Erwerbsbevölkerung (2005).[12] Im Etsch- und Eisacktal dominieren der Anbau von Äpfeln und Wein, während im Pustertal, Wipptal und anderen Seitentälern die Milchwirtschaft überwiegt.

Die Apfelproduktion nimmt einen hohen Stellenwert innerhalb der Landwirtschaft ein – Südtirols Landwirte produzieren auf 18.000 Hektar rund 10 % der in der EU angebauten Äpfel beziehungsweise 2 % der Weltproduktion.

Neben dem Apfelanbau hat auch der Weinbau eine lange Tradition in Südtirol. Die bedeutendsten Sorten sind Vernatsch und Weißburgunder. Besonders in den letzten 20 Jahren hat es sich als eine der besten Weißweinregionen Italiens einen Namen gemacht – insbesondere mit der Sorte Gewürztraminer. Dabei steht Südtirol besonders für trockene und fruchtige Weißweine. Zuletzt erfreute sich auch die autochthone Rotweinsorte Lagrein großen Interesses. Südtirol gehört mit ungefähr 5.100 Hektar zu den kleinsten italienischen Weinbauregionen (weniger als ein Prozent der Gesamtfläche), ist aber durch den hohen Anteil an Qualitätsweinen überaus erfolgreich.

Unternehmensstruktur

Per Stichtag 22. Oktober 2001 existierten in Südtirol 51.207 Arbeitsstätten mit insgesamt 207.380 Mitarbeitern. Dies ist ein Zuwachs von 27.300 oder 15,2 % im Vergleich zu 1991.

In Südtirol gibt es circa 13.000 Handwerksbetriebe mit 80 verschiedenen Handwerksberufen.

In den letzten Jahren haben sich außerdem viele Unternehmen etabliert. So etwa Leitner im Seilbahnbau, Salewa in der Wintersportbekleidung, Loacker in der Lebensmittelbranche und das Logistikunternehmen Fercam. Überdies unterhalten zahlreiche Unternehmen aus Deutschland ihre italienischen Zweigstellen in Südtirol.

Für die Zukunft hat sich das Land die verstärkte Förderung von Innovationen vorgenommen, um damit den Wohlstand zu sichern und auszubauen. Im Jahr 2004 lag die Forschungsintensität bei 0,45 % (Ausgaben für Forschung und Entwicklung bezogen auf das BIP), während sie im Gesamtstaat Italien mit 1,1 % oder Deutschland mit 2,5 % deutlich höher war.[13] Dieses Ziel soll durch forschungs- und bildungssichernde Institutionen wie die Universität und die Europäische Akademie in Bozen erreicht werden.

Die Energiewirtschaft spielt eine hervorragende Rolle in der Umweltbilanz Südtirols, welche natürlich durch die geographischen Gegebenheiten begünstigt wird. Biomasse, Wasserkraft und Solaranlagen sowie eine Vorreiterrolle in der Gebäudeisolierung führen zu besonders umweltfreundlichen Wirtschafts- und Wohnräumen.

Tourismus

Der Tourismus spielt eine zentrale Rolle in der Wirtschaft des rohstoffarmen Landes. Besonders die Tallagen und die Wintersportzentren haben sich in den letzten 100 Jahren zu florierenden Fremdenverkehrszentren entwickelt. Einst wegen der Kurorte und des milden Klimas stark besucht, wurde Südtirol in den letzten Jahrzehnten zunehmend von Wintersport und sommerlichem Erlebnisurlaub geprägt.

Wirtschaftsstruktur

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell (2008) bei 2,4 % (1,9 % bei Männern und 3,0 % bei Frauen) – somit herrscht nahezu Vollbeschäftigung.[14] Seit fast zwei Jahrzehnten ist Südtirols Arbeitsmarkt durch niedrige Arbeitslosenzahlen geprägt, wenngleich ähnliche Zahlen inzwischen in breiten Teilen Norditaliens erreicht sind (Arbeitslosenquote in Norditalien: 3,9% [15]). Auch die Jugendarbeitslosigkeit der 15–24-Jährigen ist mit 7,2 % vergleichsweise niedrig (zum Vergleich 1. Quartal 2008: Italien 20,4%; Österreich 8,2%; Deutschland 10,2%).[14]

Das BIP pro Kopf liegt 2005 bei etwa 31.700 €. Damit ist Südtirol die Region mit dem höchsten BIP Italiens. Auch kaufkraftbereinigt gehört Südtirol zu den reichsten Regionen (NUTS 2-Ebene) der europäischen Union; das Wohlstandsniveau liegt bei einem Index von 136,7 (EU27 = 100, Italien: 104,8, Tirol: 133,1).[16] Allerdings ist Südtirol im EU-Vergleich in den vergangenen Jahren wegen eines vergleichsweise schwachen Wirtschaftswachstums (2005/2006: real +1,2/+1,7 %[17]) deutlich zurückgefallen, wie der Rückgang des Index von etwa 160 im Jahr 2000 auf 136 im Jahr 2005 zeigt.[18]

Die guten makroökonomischen Zahlen verschleiern zudem, dass die durchschnittlichen Erwerbseinkommen in Südtirol niedriger sind als im angrenzenden Bundesland Tirol: Ein Arbeiter verdient jährlich fast 1.000 € weniger, bei einer Arbeitnehmerfamilie mit zwei Kindern ist das Jahresnettoeinkommen im Bundesland Tirol sogar um 2.497 Euro höher als in Südtirol. Bei den Rentnern ist der Unterschied noch deutlicher: Eine Südtiroler Durchschnittsrente beträgt 734 € monatlich, gegenüber 950 € in Nord- und Osttirol.[19]

Als problematisch gilt außerdem die italienische Steuerpolitik, gerade im Hinblick auf die Belastung der Unternehmen, welche zum Teil mit Abwanderung in das steuerlich vorteilhaftere Österreich drohen (Steuerwettbewerb).[20]

Infrastruktur

Bahnhof Bozen

Südtirol ist, meist gemeinsam mit dem österreichischen Tirol, ein wichtiger Verkehrsknoten zwischen den Großräumen Norditalien und Süddeutschland. Bedeutendste Verkehrsader ist die Brennerautobahn A22, welche den Alpenhauptkamm in etwa 1375 m Seehöhe überschreitet.

Der Zugverkehr führt ebenfalls über den Brennerpass. Die Brennerbahn verbindet München über Innsbruck, Bozen und Trient mit Verona. Der im Bau befindliche Brennerbasistunnel (BBT), der den Brennerpass unterqueren soll, wird voraussichtlich ab dem Jahr 2020 mit einer Länge von 55 km (ohne Umgehungstunnel Innsbruck) der zweitlängste Tunnel der Welt nach dem Gotthard-Basistunnel sein.

Zu den Südtiroler Eisenbahnstrecken gehören auch die Pustertalbahn (Verbindung mit dem österreichischen Osttirol), die Bahnstrecke Bozen–Meran und die Vinschgerbahn, von 1992 bis 2005 außer Betrieb und seither direkt von der Provinz wieder in Betrieb genommen. Die Rittnerbahn ist eine Schmalspurbahn, die das Hochplateau des Rittens bei Bozen erschließt. Die Mendelbahn, eine bereits 1903 erbaute Standseilbahn, führt aus dem Ort Kaltern im Überetsch auf den Mendelpass. Zudem sind zahlreiche Seilbahnen für den Personennahverkehr in Betrieb.

Medien

Zeitungen und Zeitschriften

Die älteste und verbreitetste Tageszeitung ist die in deutscher Sprache erscheinende Dolomiten der politisch einflussreichen Verlagsanstalt Athesia, gefolgt von der italienischsprachigen Alto Adige – Corriere delle Alpi. Ferner gibt es den Südtiroler Lokalteil des Corriere della Sera (Corriere dell’Alto Adige), der aus der Tageszeitung Il Mattino dell’Alto Adige hervorgegangen ist sowie die deutschsprachige Neue Südtiroler Tageszeitung.

Unter den Wochenblättern sind die ff – Südtiroler Wochenmagazin, das Katholische Sonntagsblatt, Il Segno und die Südtiroler Wirtschaftzeitung zu nennen. Der FF Media-Verlag gibt außerdem noch das Wirtschaftsmagazin Südtirol Panorama heraus, das zehnmal im Jahr erscheint.

Die Union Generela di Ladins, die Dachorganisation der Ladinerverbände, ist Herausgeberin einer Wochenzeitung in ladinischer Sprache, der Usc di Ladins (Stimme der Ladiner). Die Seiten, die jeweils einem Tal gewidmet sind, sind im jeweiligen Idiom verfasst.

Rundfunk

Unter den Rundfunkanstalten ist besonders der öffentlich-rechtliche Rai Sender Bozen hervorzuheben, der sein Radio- und Fernsehprogramm in allen drei Landessprachen ausstrahlt. Auch der ORF hat eine Außenstelle des Landesstudios Tirol in Bozen und strahlt die österreichischen Programme einschließlich Südtiroler Regionalfenster aus.

Über Digital Audio Broadcasting (DAB) werden in zwei landesweiten Ensembles folgende Sender ausgestrahlt: Rai Radio Uno, Rai Radio Due, Rai Radio Tre, Rai Sender Bozen, Ö1, Radio Tirol, Ö3, FM4, Bayern 1, Bayern 2 Radio, Bayern 3, Bayern 4 Klassik, B5 aktuell, Radio Rumantsch, Radio Swiss Jazz und Radijojo. Noch dazu kommt das bis dato nur in Bozen zu empfangene Ensemble (DAB Media), wo einige private Südtiroler Radiosender verbreitet werden.

Fernsehen

Von der RAS (Rundfunk Anstalt Südtirol) werden die österreichischen Programme ORF 1 und ORF 2, die bundesdeutschen Programme Das Erste terrestrisch sowie das ZDF und das Schweizer Fernsehen SF 1 digital über viele Sendeanlagen ausgestrahlt. Zudem wird seit dem 14. Oktober 2005 SF zwei über das digitale terrestrische Fernsehen ausgestrahlt, welches in Südtirol neben dem digitalen Radio (DAB) besonders gefördert wird.

Zusätzlich gibt es die private lokale Fernsehanstalt Video33, welche analog und digital abgestrahlt wird und weltweit über Internet Streaming verfolgt werden kann, die regionalen Fernsehsender TCA und RTTR, welche von Trient ausgestrahlt werden und zahlreiche Lokalradios [21], unter anderem den deutschsprachigen Hörfunksender Radio Holiday und Südtirol 1.

Schulen

Allgemeine Oberschulen

Humanistische Gymnasien

Realgymnasien

Pädagogische Gymnasien

Fachoberschulen

Handelsoberschulen

Oberschule für Landwirtschaft

Oberschule für Geometer

Gewerbeoberschulen

Siehe Hauptartikel: Gewerbeoberschule

Fachoberschulen für Soziales

Lehranstalten für Wirtschaft und Tourismus / Lehranstalten für Soziales

Abteilung für die land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung (BB22)

Fachschulen für Land-, Forst- und Hauswirtschaft

Laubengänge in Neumarkt

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